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ANA, CRIDO und die ICANN – Teil 2

In Teil 1 hatten wir mal einen Blick auf den einleitenden Backgrounder der CRIDO geworfen.

Ähnlich amüsant ist die ICANN FAQ, die wir uns in diesem zweiten Teil mal ansehen wollen. Der erfahrene Leser wird relativ schnell feststellen das dieses FAQ eher dazu dient ANAs Aktionen zu rechtfertigen als echte Information zu liefern.

Das Dokument beinhaltet 28 Fragen auf 10 Seiten. Es würde den Rahmen sprengen alle Fragen zu diskutieren, also werde ich hier lediglich mal auf die Stilblüten eingehen.

Fangen wir an:

 

1. Why is ANA opposing this program?
To boil it down simply, we oppose the program because it is a solution to a problem that does not exist.

ANA setzt gleich bei Frage 1 ein gesundes Mass an Falschwissen voraus. Niemand sprach von einem Problem. Es geht „lediglich“ um die Erweiterung des Namensraums, was eine logische Konsequenz der Weiterentwicklung des Internets ist. Der Anstoss zum Programm kam ausserdem nicht von ICANN, sondern aus der Internetgemeinde.

Bei Frage 2 hiess das Motto wohl: Angriff ist die beste Verteidigung, denn ANA muss sich wirklich fragen lassen:

2. ICANN claims that multiple public meetings and 45 public comment periods were conducted with thousands of comments – why are you saying that there has been insufficient input into this process?

Regardless of the number of comments or years that passed, ICANN failed to achieve consensus from the constituent groups. While comments were filed by many constituents, ICANN essentially ignored the obvious lack of consensus
represented all the divergent comments and essentially imposed “consensus” at its meeting in Singapore. Despite the weakness of the studies conducted, ICANN summarily concluded that more studies or deliberation would not reveal any new information. That, too, shows ICANN’s disregard for the bottom-up consensus requirements that govern their decision process. Rather than resolve differences, ICANN chose to disregard them and rush to a conclusion that ended years of deliberation.

Das fängt schon richtig gut an: ANA ist es egal wie viele Beteiligte es gab und wieviel Kommentare (die von ICANN beachtet werden müssen) verfasst worden sind. Tatsächlich hat sich ANA  an dem gesamten Prozess mangelhaft beteiligt und verdreht diesen Umstand.

 

Die Rhetorik in Frage 5 ist eine echte Blüte der FAQ, die auf langjährige politische Arbeit hindeuten könnte:

5. What does ANA plan to do if the program does come to fruition? Do you  plan to take legal steps to block this program if ICANN is unresponsive?  What services will ANA perform for members in that new reality on the Web? What does ANA advise members to do at this time / if it does come to   be?
ANA hopes that ICANN, when it recognizes the growing concerns about its decision will do the right thing and abandon the program. We hope that they will see that benefits based on pure speculation, the lack of any scarcity in domain
names, the efficiency of search engines, and the potential harm to consumers and brand equity require abandoning the program. ANA does not want to resort to litigation and believes that if ICANN acts reasonably, ANA will not have to
consider that remedy. If for any reason, the program goes forward despite ANA“s and the brand industry“s objections and the harm it will cause to consumers, ANA will then evaluate the situation and decide how it can best serve its members
going forward.

 

Die Frage ist ziemlich konkret. Und wäre ich ANA, dann hätte ich diese Frage aus der FAQ herausgelassen, denn die Antwort auf die Frage ist: Sie werden gar nichts tun. Das ist interessant, denn wieso wollen sie nichts unternehmen, wo sie doch quasi die halbe Netzgemeinde repräsentieren? Eigentlich würde der geneigte Leser hier ja konkrete Aussagen erwarten. Immerhin hat ANA ja (angeblich, siehe Teil 1) eine Menge Fehler in dem Prozess aufgedeckt.

Wir machen bei Frage 7 weiter:

7. What would ANA do differently to make this program work?

The Internet works as it currently exists. We don“t see a need to change or add anything. We don“t believe there is a scarcity of domain names, lack of competition / opportunities, or any other reason to enact this program. There is also no benefit to doing so for anyone in the business community other than those who register domain names.

Natürlich funktioniert das Internet wie es ist. Und natürlich haben auch Holzöfen funktioniert und die Menschen haben auch ohne Mobilfunktechnik ganz gut überlebt. Durch die Einführung neuer Namensräume werden sich weitere Geschäftszweige im Netz entwickeln und der Wettbewerb unter den Registrys und den TLDs wird stärker. Zudem erhöht sich das Angebot für den Internetnutzer: Im .com Namensraum sind derzeit über 90 Millionen Domainnamen vergeben. In der .de Zone sind wir bereits bei über 14 Millionen. Für ein z.B. deutschsprachiges Unternehmen, welches sich im Internet aufstellen möchte, ist es nahezu unmöglich in diesen Zonen noch einen brauchbaren Domainnamen zu bekommen. Die neuen TLDs werden das Angebot erweitern und es wird sogar für einige  Branchen eigene Namensräume geben, was für Unternehmen in der Branche sehr attraktiv sein kann.

Frage 8 ist wieder problematisch für ANA. Denn hier wird nach Fakten gefragt:

8. Has ANA conducted any research of its own into this topic? Have you had any specific membership research done to determine support?

ICANN proposes nothing short of a massive change to Internet architecture. ICANN bears the burden to demonstrate beyond a doubt that such a change will  help and not hurt world markets and security. The fact is that the research relied upon by ICANN, through the admissions of ICANN“s own experts fails to make any case for the program. ANA has not yet expended its resources to conduct any research because ICANN itself has made no case for the program ­ and again, it is ICANN“s job to present a convincing and sound basis for its decisions. It has not done so.
Furthermore, while we have not done formal research, none of our members has shown a need to expand top-level domains.

Fairerweise muss man sagen, das die vorgelegten Analysen ICANNs der wirtschaftlichen Belange zu dem Thema nicht wirklich aussagekräftig sind. Aussagekräftig genug sind allerdings die Initiativen, die sich für die Erweiterung des Namensraums einsetzen – und das schon seit Jahren.
Falsch ist jedoch die Aussage das ICANN sich nicht um die Auswirkungen auf die „Internet Architektur“ kümmert. Im gegenteil: Die Stabilität des DNS ist oberstes Gebot in technischer und organisatorischer Hinsicht. Das ist u.a. ein Grund dafür das die Anforderungen für die Einführung einer neuen TLD enorm hoch sind.

Eine Analyse zur Wirtschaftlichkeit neuer TLDs wurde übrigends vor kurzen von ARI Registry Services veröffentlicht. Die Studie zeigt ein eindeutiges Interesse an den neuen TLDs auf.

Eine Reihe der nächsten Fragen in der FAQ behandeln die Kosten, die Markeninhaber erwarten, wenn die neuen TLDs online sind. Grosse Markeninhaber geben viel Geld aus für sog. defensive Registrierungen. D.h. sie registrieren ihre Markennamen in den für sie relevanten Zonen, unabhängig davon ob sie diese Domainnamen nun verwenden oder nicht. Zumindest kann niemand anderes diese Domainnamen registrieren und damit womöglich Webseiten betreiben, die für das Unternehmen oder Internetnutzer schädlich sind. ICANN hat zwar eine Reihe von Mechanismen implementiert, die Markeninhaber schützen sollen. Diese werden jedoch insbesondere von Vertretern der Markenlobby als nicht ausreichend angesehen. Man kann davon ausgehen das die neuen TLDs zu mehr defensiven Registrierungen führen – und damit zu höheren Kosten führen werden. Hier sollte sich ANA nochmals fragen, warum ihre Beteiligung am Prozess so mangelhaft ausgefallen ist.

Eine letzte Frage zum schmunzeln:

24. The advertising industry has historically been one of the biggest contributors to spamming on the Web, yet it is now challenging ICANN“s  program because it has the potential to do the same thing. Isn“t that a bit hypocritical?

ANA and its members are among the leaders in providing consumers with education, transparency and opt-out rights regarding online behavioral advertising under a self-regulatory program that has been praised by the Federal Trade Commission and consumerists throughout the United States. A coalition of ANA, the American Associations of Advertising Agencies, the America Advertising Federation, the Direct Marketing Association and the Internet Advertising Bureau, in cooperation with the National Advertising Review Board (part of the Council of Better Business Bureaus), formed the Digital Advertising Alliance, a self-regulatory body that sets specific standards outreach programs and enforcement protocols to ensure consumer education, marketing transparency and consumer control through the ability to opt-out of online behaviorally targeted advertisements. It is the model upon which the European self-regulatory program is based.

Nach diesem Loblied auf die Werbeindustrie, die uns nach der Aussage ANAs eher erleuchten als verdummen will, möchte ich  dazu anhalten die FAQ ANAs zum neuen TLD Programm der ICANN nochmal komplett selbst zu lesen.

 

 

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