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Wer wird das Internet regeln?

Der Grund für diese reisserische Überschrift ist dieser: ICANN verliert den Vertrag mit der National Telecommunications and Information Administration (NTIA), die IANA Services zu betreiben.

Die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) ist diejenige Organisation die u.a. regelt, welche RIR auf der Welt welche IP Adressen zugeteilt bekommt. Die RIRs sind auf der ganzen Welt verteilt. So ist z.B. das RIPE zuständig für Europa.  Ebenso definiert IANA die berühmten Portlisten, wo festgelegt wurde welcher Service auf welchem Port laufen soll, die Nummern Autonomer Systeme (AS) u.v.m.

Derzeit wird die Unterabteilung IANA noch von ICANN betrieben. Das endet allerdings im September 2012.

Zwar hat die USA die Gestaltung des Internets weitestgehend in private Hand gegeben, nämlich in die Händen der Internet community, die im Rahmen der ICANN organisiert sind. Trotzdem hat die USA die tatsächliche Kontrolle über die Root behalten und es ist nicht unwahrscheinlich das die USA diese Kontrolle konkret verstärken. Die NTIA vergibt den Vertrag, indem geregelt wird, wer die IANA Services betreibt. Und die NTIA untersteht direkt de. Department of Commerce, dem USA Handelsministerium.

Der Hintergrund ist: Die NTIA hat neue Anforderungen an den Vertragspartner für die IANA Services definiert. Eine dieser Anforderungen ist es das der Vertragspartner (bis September 2012 noch die ICANN) die Gesetze der Staaten der Welt respektiert und im Sinne „globaler Interessen“ handelt.

Jetzt gab es da zB. die neue TLD .xxx, wobei die Einführung der TLD einer Menge Leuten mächtig aufgestossen ist. Ebenso kritisch betrachtet wird die Tatsache das ICANN entschlossen hat, das Bewerbungsverfahren für neue TLDs zu eröffnen. Ein Alptraum für Internetplatzhirsche und Markeninhaber.

Jetzt ist es so das ICANN (so gut es geht) nach dem Bottom-Up Prinzip arbeitet: Anregungungen und Änderungen werden von unter, also von community Mitgliedern in die Prozesse eingebracht und nach „oben“ getragen. Oben angekommen werden Dinge verabschiedet, wie zB das neue TLD Programm.

Man kann salopp formulieren: ICANN betrachtet als global interests die Interessen derjenigen, die das Internet „bauen“ und sich an dessen Entwicklung beteiligen (IETF, ISOC, IANA IAB, etc) und immerhin steht eine solche Beteiligung jeder Person auf dieser Welt offen. Jeder kann sich bei der IETF an einer Arbeitsgruppe anmelden und z.B. Protokolle mitgestalten

Die NTIA entstammt einer anderen Welt und da haben Wörter eine andere Bedeutung. Für die NTIA besteht die global community möglicherweise aus Abgeordneten, Senatoren, Managern und Markeninhabern. Und diese NTIA wird den Vertrag für den Betrieb der Root Zonen neu ausschreiben, oder (lulz) selbst betreiben.

Jeder Experte vermisst in diesem Text etliche Details, denn die Wahrheit über diese ICANN-verwandten Strukturen ist weitaus komplizierter und die zu durchschauen ist nahezu eine Lebensaufgabe. Aber im Grunde trifft der Text den Kern und der führt mich zu einer weiteren, sehr salopp formulierten Frage: Wer soll die Kontrolle über die Root haben? Das US Handelsministerium, Nike, Apple, die Welthandelsorganisation oder die UNO? Etwa die NATO oder die ITU?

Oder wollen wir die Verwaltung bei einer Organisation haben, die durch jahrelange Arbeit gelernt hat, einen Spagat zwischen Politik, Wirtschaft, Technik und der Internetgtemeinde zu machen und am Ende alle Aufgaben gut genug erledigt? ICANN ist beileibe keine perfekte Lösung. Aber derzeit ist ICANN beste was wir haben.

http://www.ntia.doc.gov/other-publication/2012/notice-internet-assigned-numbers-authority-iana-functions-request-proposal-rf

 

** UPDATE **

Möglicherweise gibt es eine weitaus unspektakulärere Antwort auf die Sache: Man hält es durchaus für möglich das die Bewerbung von ICANN nicht so sorgfältig ausgefallen ist, wie man es sich bei der NTIA gewünscht hätte. Das lässt sich jedoch nicht beantworten, solange ICANN den Vertrag, bzw. die Bewerbung veröffentlicht.

Ich denke das ist genau das, was ICANN jetzt zu tun hat.

 

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