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Internet Governance. worum geht es und wo fängt man an?

Internet Governance ist erklärungsbedürftig. Ich stelle immer mehr fest, wenn ich versuche mit anderen darüber in einen Dialog zu treten, dass man erst einmal sehr viel zu erklären hat, bevor man sich dem eigentlichen Gegenstand der Diskussion annähern kann.

Es gibt viele Definitionen dazu, was denn Internet Governance überhaupt ist und viele davon sind durchaus zutreffend. Ich probiere es mal mit dieser:

Internet Governance beschäftigt sich mit den Fragen, wie wir das Internet regeln wollen.

Mit „Regeln“ meine ich weniger eine staatliche Regulierung, sondern eher das gesamte Spektrum. Da geht es um ganz Grundlegende Dinge wie Protokolle und wer standardisieren soll und darf, Fragen der Peeringwelt, des DNS, der Netzneutralität und, natürlich auch, wie und ob Regierungen in dieses ganze System eingreifen sollen. Eine wichtige Aufgabe ist es hier, im Rahmen der IG dafür zu sorgen, dass sich Regierungen so wenig wie möglich einmischen. Zum Beispiel: RFCs funktionieren und es gibt keinen Grund, warum irgendeine Regierung hier etwas zu melden haben sollte.

Als das Internet noch eher akademischer Natur war, haben sich die Regierungen dieser Welt eher aus diesen Fragen herausgehalten. Heutzutage ist das Internet jedoch ein fundamentaler Bestandteil globaler Wirtschaft und darüber hinaus ein wichtiges Element in der Dynamik und Entwicklung politischer Systeme. Die einen begrüßen es, die anderen fürchten es, mache gebrauchen es, manche missbrauchen es, manche wollen immer mehr davon und manche würden es am liebsten wieder abschaffen. Das Internet und die Dinge die darin geschehen sind so vielfältig, wie die Menschen, die daran angeschlossen sind. Von meiner Position aus, befindet sich das Internet in einer äußerst kritischen Phase, in der Entscheidungen getroffen werden, die, wenn installiert, nur sehr schwer zu revidieren sind. Damit meine ich ganz explizit den Einfluss der Regierungen dieser Welt. Zwar hat die Netzgemeinde sich jahrelang der Frage nach einer Regulierung entzogen. Die Regierungen jedoch -und ganz besonders die Geheimdienste – waren jedoch in der Zwischenzeit nicht untätig. Das Ausmaß der Tätigkeiten bricht dieser Tage (PRISM) über uns herein. PRISM ist ein gutes Beispiel für Entwicklungen, die nur sehr schwer zu revidieren sind. Meiner Meinung nach ist das sogar eine Scharte, die wir nicht ausgewetzt bekommen. PRISM existiert – und zwar nicht seit gestern – und wird in der einen oder anderen Form (wenigstens zunächst) ein fester Bestandteil bleiben. Die deutsche Politik hat, wie man dieser Tage sehr schönen sehen kann, wenig Konstruktives dazu beigetragen. Wer einem Friedrichs in dieser Sache Glauben schenkt, ist mit naiv noch sehr wohlwollend betitelt.

Aber wir haben auch gute Nachrichten. Eine gute Nachricht ist die Tatsache, dass sich in den letzten Jahren eine Fülle von Gruppen und Plattformen herausgebildet haben, die sich mit den Fragen der Internetregulierung auseinandersetzen. Besonders gut daran ist, dass sich jeder daran beteiligen kann, der die ausreichende Energie mitbringt, die nötig ist, sich in politische Prozesse einzubringen. Wie bei allen politischen Prozessen ist allerdings sehr viel Energie gefragt. Die Übersicht über die IG Landschaft haben zu wollen, ist Anspruchsvoll. Der Versuch eines Mappings wird hier betrieben.

Ich will hier einige wichtige Projekte rund um IG vorstellen.

 

ICANN At-Large

In dieser ICANN Community sind Endnutzer organisiert, die sich an den Prozessen – policy-Entwicklung – bei ICANN beteiligen wollen. ICANN ist in erster Linie für das DNS und die Vergabe von Top-Level Domains (.de, .com, etc. ) zuständig. Hier läuft einer stetige Diskussion darüber, wer denn überhaupt wie das DNS verwalten soll. Wer hier mitmachen will, sollte sich zunächst auf der Mailingliste eintragen und einfach mal mitlesen um herauszufinden, ob man sich dafür interessiert und sich einbringen möchte. Wer etwas zu sagen hat, äußert sich einfach zu entsprechenden Themen. Leute aus Europa wenden sich idealerweise an EURALO. Das ist der At-Large Zweig, der Europa betrifft (jeder Kontinent hat sein eigenes RALO). Einsteiger finden in dem ALS Starter Kit eine Übersicht der Struktur.

Webseite At-Large

 

Internet Governance Forum – IGF

Das IGF ist eine globale Diskussionsplattform zu Internet Governance. Gegründet wurde diese Plattform 2005, auf dem Weltinformationsgipfel (WSIS) in Tunis gegründet. Ein Grund für die Einberufung des IGF war der Umstand, dass die Politiker zu keinem Konsens kamen, bei Fragen zur Internetverwaltung. Das IGF hat keine formale Entscheidungsbefugnis, d.h. niemand ist verpflichtet, Empfehlungen des IGFs zu folgen oder überhaupt darauf zu hören. Das Mandat des IGF ist hier beschrieben. Die Teilnehmer des IGF stammen aus allen Bereichen: Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Poltik und Strafverfolgungsbehörden. Mitmachen kann jeder. Es gibt keine wirkliche Struktur oder leitende Stellen. Es gibt viele kritische Stimmen gegen das IGF. Zumal es von aussen so scheint, als wenn es niemals zu einem Ergebnis zu kommen scheint. Hier muss man sich jedoch bewusst machen, dass IG ein Prozesse ist und der Dialog zwischen allen Beteiligen das zentrale Element ist. Viele Staaten haben eigene Chapter des IGF. So auch Deutschland, mit dem IGF-D.

 

EuroDIG

EuroDIG ist der European Dialogue on Internet Governance.  EuroDIG ist eng verknüpft mit dem Internet Governance Forum (IGF) und ist eine der europäischen Plattformen für das IGF . Wer Interesse am IGF hat, für den ist EuroDIG eine der Anlaufstellen. Auch hier gilt es, sich an der Mailingliste einzutragen, einfach mitzulesen und sich bei Bedarf zu äußern. Besonders wichtig sind die Veranstaltungen, die man durchaus besuchen sollte, sofern man die Reise durchführen kann. Das gestaltet sich manchmal  schwer, da sich die Veranstaltungen über die ganze Welt verteilen. Im nächsten Jahr wird es jedoch im Juni ein EuroDIG Event in Berlin geben.

 

Diplo Internet Governance Community

Das Diplo Projekt ist bemerkenswert. Es ist eine Art Facebook oder Xing für Leute aus dem Bereich Internetgovernance. Es geht in erster Linie ums Bloggen. Da dort Menschen aus aller Welt mitmischen, ist es eine reiche Quelle für Informationen zu IG Themen, rund um den Globus. Zudem werden dort Informationen zu allen möglichen IG Events kundgetan und manchmal organisieren die Leute auch selber etwas. Mitlesen lohnt sich! Im Rahmen von Diplo wird auch das Buch „An Introducion to Internet Governance“ herausgegeben. Das Buch ist online frei erhältlich und bietet imho den besten einstieg in die Thematik. Das Buch gibt es hier.

 

The  Internet Governance Project (IGP)

Das IGP beschreibt sich selbst so:

The IGP is an alliance of academics that puts expertise into practical action in the fields of global governance, Internet policy, and information and communication technology. The Project both researches and publishes analysis of global Internet policy issues.

Das IGP ist einer meiner favourisierten Quellen und alle Artikel haben eine hohe Qualität. Mitlesen lohnt sich!

 

IGC Caucus

Die Plattform IGC Caucus ist ebenfalls bemerkenswert und beschreibt sich selbst so:

The Internet Governance Caucus (IGC) was originally created by individual and organizational civil society actors who came together in the context of the World Summit on the Information Society (WSIS) to promote global public interest objectives in Internet governance policy making.

Besonders empfehlen kann ich die Mailingliste als Informationsquelle, die oftmals schneller ist, als Twitter, heise und co. Wobei wohl mancher Journalist sich genau dort informiert. Eine Anmeldung ist erforderlich.

 

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