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WCIT2012 – Teil 4 – Google und die Netzneutralität

Wie geschrieben, gehts hier um einen weiteren, sehr aktiven Player in der WCIT2012 Debatte, nämlich Google.

Google ist definitv einer der größten Player im Onlinemarkt. Die ausgeprägte Datensammelwut bescherte der Netzgemeinde eine doch ziemlich anständig funktionierende Suchmaschine, E-Mail und Social-Network Dienste, Kartenmaterial und Youtube. Google ist im Bereich des Onlinemarketing ein de-facto Monopol, da es überhaupt keinen Sinn macht sonstwo Werbung zu schalten, jedenfalls nicht von Europa aus gesehen. Die Frage, warum die USA Google eigentlich noch nicht zerschlagen haben, ist berechtigt, zumal die USA für gewöhnlich sehr empfindlich auf Monopole reagieren – ein gutes Thema für einen weiteren Blog Artikel.

Google und WCIT2012. Die (selbst ernannte) Rolle von Google beim WCIT2012 Reigen, ist die des Verteidigers der unbedingten Freiheit im Netz. Keine Kontrolle – keine Zensur und in jedem Fall die Erhaltung der Netzneutralität. Der naive User mag darin vielleicht die Rückbesinnung zu alten Werten erkennen (don“t be evil), doch die Realität ist viel banaler, denn es geht, natürlich, ums Geld.

Die Relevanz in den Augen Googles ist offensichtlich. Google wirft sich in Schale und ergreift Initiative mit einem eigenen Anti-Kontrolle Projekt. Google nennt es „Take Action„. Mit einem eigens dafür produzierten Videoclip (Es gehört uns und es ist frei), dessen Heuchelei einem den Magen umdreht, postuliert man Freiheit, Freiheit und Freiheit.

Warum Google sich so intensiv engagiert liegt an der Tatsache, dass bei der Reform der ITRs auch der Punkt der Netzneutralität auf der Agenda steht.

Die Standpunkt sind überschaubar.

Es gibt auf der einen Seite die Zugangsanbieter, wie die deutsche Telekom und At&T. Diese Unternehmen schaffen für den Kunden den Zugang zum Internet und kümmern sich um den Erhalt und den Ausbau von einem Teil der Leitungswege (weitere sich reine Transitnetze, backbones). Auf der anderen Seite stehen Anbieter von Internetdienstleistungen, die etwas zur Verfügung stellen, was Internetnutzer gerne konsumieren. Z.B. Videoclips bei Youtube. Youtube ist wiederum in einem Rechenzentrum untergebracht, mit einer (fetten, fetten) Verbindung zum Internet. Jetzt bezahlt Google zwar für die grundsätzliche Anbindung ans Netz und sicher auch für eine garantierte Bandbreite. Um den Traffic im Netzwerk der deutschen Telekom ist aber nicht mehr Google zuständig – sondern eben der Betreiber – also die deutsche Telekom.

Jetzt haben sich die Zugangsanbieter in den letzten Jahren einen sehr aggressiven Wettbewerbskampf geliefert: Immer höhere Bandbreiten zu möglichst geringen Kosten. Unabhängig von der Unterversorgung einiger Gebiete ist es aber in Städten locker möglich seine 35 oder 50 MBit zu bekommen. Man muss kein Mathematiker sein um zu der Annahme zu gelangen, dass die Leitungen hoffnungslos überbucht sind. Aber jetzt sind die Bandbreiten da – und sie werden immer stärker auch genutzt. Man beklagt diesen Umstand sehr und guckt neidisch in Richtung Google, die mit ihren Diensten wahnsinnig viel Geld scheffeln, aber sich finanziell nicht an der „Problematik“ der Zugangsanbieter beteiligen wollen. In zwei Präsentationen, die vor dem WCIT entstanden, jammert man auch recht ungeniert über den wachsenden Traffic und die stagnierenden Gewinne (Präsentation Com-ITU und hier).

Bisher gab es keine wirkliche Handhabe, unterschiedlichen Traffic unterschiedlich zu provisionieren. Dafür steht die Netzneutralität. Neutzneutralität bedeutet, dass alle Netzwerkpakete gleich behandelt werden, völlig unabhängig von der Herkunft, Ziel, Protokoll oder Inhalt. Zwar handelt man in der Praxis schon lange gegen das Prinzip – allerdings meistens aus Gründen der Performance oder der Stabilität einiger Dienste. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass mein Youtube-Traffic mit ähnlicher dringlichkeit geroutet wird als normale Webseitenbesuche.

In Dubai versuchen jetzt einige Telkos, diese Netzneutralität zu untergraben. Besonders engagiert ist dabei ETNO (The European Telecommunications Network Operators“ Association), ein  Lobbyverband europäischer Telcos. Ihr Ziel ist es, grosse Contentanbieter dazu zu bringen, sich an den Kosten des Netzausbaus zu beteiligen. Dazu gabs einen eigenen Vorschlag der ETNO.

Das Vorgeplänkel liest sich dann so:

The revision of the ITRs should be flexible enough as to further encourage future growth and sustainable  development of telecoms markets, services and technological innovation. Therefore, ITRs should continue to be a high level policy framework for international telecommunications services and facilities, respecting the guiding
principles that lead to previous success: private sector leadership and commercial agreements.

Konkret argumentiert man in den eigenen Vorschlägen in Richtung QoS (Quality of Service).

Beobachter geben jedoch insgesamt den Plänen der Telcos erstmal nicht viel Aussicht auf Erfolg, soweit so gut. Langfristig arbeiten die Telcos jedoch an der Realisierung eines mehr-Klassen Netzwerks, wo man nicht mehr grundsätzlich für Traffic zahlt, sondern eben auch für ganz bestimme Dienste ganz bestimmter Anbieter. Grundsätzlich habe ich persönlich keine Schwierigkeit damit, die Leute verstärkt zur Kasse zur bitten, die mit ihren Downloads die Leitungen zuknallen, jedoch haben die Telcos diesen Zug der Preisgestaltung von vorn herein verpasst. Der Grund ist u.a. ein Mangel an Weitblick und die eigene Verstrickung aller Telcos in einem nicht zu gewinnenden Preiswettbewerb. Jetzt bettelt man bei den UNO im Hilfe – und Unternehmen, wie Google, wehren sich nach ihren Möglichkeiten dagegen.

Stay tuned!

/p

One comment

  1. Also Sie sind doch selber Schuld wenn Sie die Preise nicht so brachial herunter gebrochen hätten wären Sie auch glücklich aber dank Aktionäre und den Zwang immer mehr Kunden zu haben gräbt man sich langfristig immer sein eigenes Grab.

    Kunden gehen dahin wo es billiger ist also muss man immer mehr an der Schraube drehen bis irgendwann jemand sagt noch weiter geht es net ansonsten sind wir bald pleite und dann stellt man erschrocken fest das man kaum noch Gewinne macht aber die Konkurrenz auf ähnlich niedrigem Niveau ist Konsequenz keiner erhöht die Preise weil dann sind die Aktionäre unzufrieden und die Kunden weg. Also will man sich das Geld dann von wo anders holen selbstverständlich sucht man sich da als „Kandidat“ nur den größten Fisch heraus und das ist nunmal Google. Das es nachher dann auch die kleinen treffen wird sollte aber jedem klar sein, aber solange man erstmal nur sagt Google bekommt man das mediale Interesse was man will und jeder sagt okay muss Google halt etwas dafür zahlen die haben genug. Im Endeffekt schlägt es später dann aber auch auf die allgemeinheit um dann heißt es demnächst bei einem neuen Vertrag wenn sie VoIP nutzen wollen müssen sie aber 5€ mehr zahlen.

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